Autismus erkennen
Eine Textaufgabe am Anfang:
a) Die Prävalenz für ADHS beträgt bei differenzierter Testung 4,7% der Bevölkerung. Von diesen 4,7 % haben 36% zusätzlich Autismus. Bis zu 46% der Autisten erfüllen zusätzlich die Kriterien für ADHS. Wie hoch müsste der Wert X für Autismus sein und um wieviel Prozent weicht die anzunehmende Prävalenz von der SChätzung des Bundesumweltamtes (0,6-1%) ab?
b) Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für Autismus unter der Annahme, dass jeder 10. Patient in der ambulanten Praxis und in psychiatrischen Stichproben jeder zweite Patient ADHS hat?
Autismus ist mehr als ein Klischee von verquarzten Superhirnen und brillentragenden Informatiknerds ohne soziale Bedürfnisse. Autismus ist eine andere Art der Wahrnehmung und der Reizverarbeitung. Da Autismus immer noch existiert, scheint es eine evolutionäre Nische zu geben. D.h., dass Autisten vielleicht bestimmte Dinge besser können als „Neurotypische“!
Testen ist lernbar
Viele Therapeuten schrecken vor der Vielzahl der unterschiedlichen ADHS Tests zurück. Im Seminar werden Teststrategien entlang der Umsetzbarkeit in der eigenen Praxis vorgestellt. Möchte ich ADHS nur nachweisen? Möchte ich eine Schweregradeinschätzung der Symptomatik vornehmen? Möchte ich eine Psychotherapie planen?
Innerhalb des Seminars wird dargestellt, wie eine komplette Testung mit Nachweis über DSM-V/ICD-11- Kriterien, Differenzialdiagnostik zu Borderline, Screening auf ASS, Schweregradeinschätzung der Symptomatik, Selbst- und Fremdeinschätzung sowie Entscheidung für oder gegen eine Pharmakotherapie in 2,5 Zeitstunden (6 psychotherapeutische Sprechstunden zu 25 Minuten) getroffen werden können.
Was heißt hier Spektrum?
Differenzialdiagnostik
Wie entscheide ich, welche Symptombereiche auf Pharmakotherapie ansprechen und welche auf Psychotherapie? Was sind psychotherapeutische Themen aus sich der Patienten? Oftmals ist die Literatur an den Realitäten der Therapie vorbeipubliziert. Verhaltenstherapeuten werden Konzentration nur bedingt verbessern, wenn dafür keine neurologische Grundlage vorhanden ist. Eine Pharmakotherapie wird die ADHS-Symptome nur bedingt verbessern, wenn Autismus, Borderline oder PTBS zu Reizüberflutung, Impulsdurchbrüchen, Übererregtheit und Stimmungsschwankungen führen. Tiefenpsychologisch therapierte Patienten werden sich Jahr um Jahr kränker fühlen, wenn die biologischen Grundlagen für bestimmte Affekte ausschließlich auf der Konfliktachse bearbeitet werden.
Die Realität in der psychotherapeutischen Praxis zeigt, dass die Anforderungen an die verschiedenen Berufsgruppen komplett andere sind als zunächst erwartet. Verfahrensunabhängig gibt es für jede Gruppe viel gutes Beizusteuern.
Besonderheiten in der Psychotherapie
Teil des Seminars sind ausgewählte verhaltenstherapeutische Strategien jenseits der gängigen Literatur. ADHS Betroffene hassen zumeist Entspannungsgruppen. Wie über gezieltes Erzeugen von Stressreaktionen depressive Einbrüche unterbrochen werden können, wie zwanghafte Persönlichkeitszüge konstruktiv zur Stärkung der intrinsischen Motivation genutzt werden können. Welche Arte der Strukturierung des Alltages aus Sicht der Betroffenen hilft und welche Formen der Stressreduktion jenseits der üblichen Skillsgruppen gut funktionieren.
Pharmakotherapie
Die Pharmakotherapie ist ein zentraler Baustein in der Behandlung von ADHS. Viele Psychiater kennen sich jedoch mit der Medikation nicht aus. Psychotherapeuten überlassen die Medikation ausschließlich den Psychiatern/Neurologen. Für beide Gruppen gibt es entsprechend grobe Behandlungsfehler, die nach eigener Beobachtung in etwa 75 % der Verordnungen die Therapie erschweren. Im Seminar werden Strategien vorgestellt, wie bereits anhand der Testergebnisse eine Schwerpunktsetzung der Pharmakotherapie entlang der berichteten Symptombereiche stattfinden kann. Es wird grundsätzliches Wissen über die Stoffgruppen (Stimulanzien, Amphetamine und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer vermittelt). Im Handout findet sich eine ausführliche Entscheidungsheuristik für Psychiater und Psychotherapeuten entlang der berichteten Symptome und vor allem in Bezug auf die Galenik der Präparate. Insbesondere der Bereich der Auswahl des Präparates und der jeweiligen Auswirkungen auf die Lebensführung wird ausführlich dargestellt (Fortgeschrittene Vermeidung von Reboundphänomenen, Kombinationsbehandlung mit unretardierten Medikamenten, Auswirkung der Galenik auf Wirkdauer). Spezifische Auswahl des Präparates nach Herstellern, da bei vordergründig gleicher Wirkstofffreisetzung erhebliche Unterschiede in Wirkdauer und Ausschüttung bestehen. Auswahl des richtigen Präparates entlang einfacher Entscheidungsbäume. Möglichkeiten der Qualitätssicherung und des Monitorings des Therapieerfolges.
Termine
Seminarort:
Hamburg:
Kassenärztliche Vereinigung Hamburg – Humboldtstraße 56 – 22083 Hamburg
Frankfurt:
Kassenärztliche Vereinigung Hessen – Europa-Allee 90, 60486 Frankfurt am Main
Seminarzeiten: Freitag und Samstag, bzw. Samstag und Sonntag jeweils von 9:30 – bis 18:30 /
Zielgruppe(n): psychologische und ärztliche PsychotherapeutenInnen, andere Berufsgruppen.
20 Fortbildungseinheiten – Akkreditierung beantragt bei Psychotherapeutenkammer und Ärztekammer Hamburg.
Neuer Termin:
Diagnostik und Therapie bei ADHS im Erwachsenenalter
ADHS in der psychotherapeutischen/ psychiatrischen Praxis sicher erkennen. Praxisbezogene Schulung in Anwendung und Auswahl verschiedener Testverfahren mit praktischen Übungen. Differenzialdiagnostik zu Borderline, Autismus und Traumafolgestörungen. Behandlungsplanung mit Unterscheidungskriterien für psychotherapeutische und pharmakotherapeutische Fragestellungen
