CAT-Q – Camouflaging Autistic Traits Questionnaire – deutsche Version

(Nicolai Semmler & Natalie Koch, 2025)

Der Camouflaging Autistic Traits Questionnaire (CAT-Q) ist ein Selbstbeurteilungsinstrument zur Erfassung sozialer Camouflaging-Verhaltensweisen bei Erwachsenen. Er kann dazu verwendet werden, autistische Personen zu identifizieren, die
aktuell nicht die diagnostischen Kriterien erfüllen, da sie gelernt haben, autistische Eigenschaften in der Kommunikation zu
überspielen und zu maskieren.


Der CAT-Q erfasst sowohl das allgemeine Camouflaging-Verhalten als Gesamtwert als auch drei spezifische Dimensionen:

1. Kompensation2. Maskierung3. Assimilation/Anpassung
Strategien zur aktiven Kompensation sozialer Schwierigkeiten.

Beispiele: Nachahmen von Körpersprache und Gesichtsausdrücken,
Erlernen sozialer Signale durch
Filme und Bücher (vgl. „Autismus &
Filmsprache“)
Strategien zur Verdeckung autistischer Merkmale oder zur Darstellung einer nicht-autistischen
Persönlichkeit.

Beispiele: Gesichtsausdruck und
Körperhaltung anpassen, um selbstbewusst oder entspannt zu wirken;
bewusst eingesetzter Blickkontakt.
Strategien zur sozialen Anpassung
und Angleichung an andere.

Beispiele: Eine Rolle spielen, soziale
Interaktionen vermeiden oder sich
selber dazu zwingen.
Der CAT-Q Test kann hier online durchgeführt werden. Alternativ kann er als PDF heruntergeladen werden.

Durchführung und Auswertung des Tests

Der CAT-Q besteht aus 25 Aussagen, die auf einer 7-stufigen Skala bewertet werden:

  • Ich stimme überhaupt nicht zu
  • Ich stimme nicht zu
  • Ich stimme eher nicht zu
  • Weder noch
  • Ich stimme ein wenig zu
  • Ich stimme zu
  • Ich stimme eindeutig zu


Diese Aussagen verteilen sich auf die drei genannten Subskalen:

  • 9 Items: Kompensation
  • 8 Items: Maskierung
  • 8 Items: Assimilation/Anpassung

Die Items 3, 12, 19, 22 und 24 sind umgepolt. Entsprechend sind die Werte invertiert

Was hat es mit der deutschen Version auf sich?

Anfang 2023, als Diagnostik von ADHS noch kahles Ödland war und Autismus als Möglichkeit in der Psychotherapie überhaupt nicht vorkam, habe ich für den Eigenbedarf eine Übersetzung dieses Fragebogens angefertigt. Zwar gab es eine deutsche Übersetzung, die die Autorin Laura Hull mir per E-Mail zugesendet hatte. Derjenige, der sie übersetzt hatte, war allerdings Schwede. Entsprechend klangen die Formulierungen zum Teil etwas sonderbar.

Während eines Wander-Urlaubes hatte ich abends Langeweile und erstellte eine Onlineversion, die ich mit dem Hinweis öffentlich zugänglich machte, dass es sich um eine unvalidierte Version handelt.

Dies führte dazu, dass der Test sich rasend schnell im Internet verbreitete und auch auf anderen Websites adaptiert wurde. Einige Websites formulierten die Fragen aber wiederum um, um die Sprache barrierefrei zu machen o.ä.. So entfernte sich der Test immer weiter von der Übersetzung. Ein Test mit veränderten Fragen, der auf eine Stichprobe verweist, die nicht vergleichbar ist, ist natürlich Mist. Zumindest unter wissenschaftlichen Aspekten.

Zudem bekam ich immer wieder Anfragen, ob es eine evaluierte Version des Fragebogens gäbe, sowie die Information von mindestens 15 Universitäten, dass man plane, den Fragebogen zu evaluieren. Meistens passierte dann aber nichts.

2024 ergab sich dann relativ spontan die Möglichkeit, zusammen mit der Psychologin Natalie Koch ein solches Projekt selber zu stemmen. Gemeinsam haben wir die Items noch einmal nachgeschärft und möglichst nah an die originale Version gebracht. Natalie hat das Projekt mit großem Engagement vorangetrieben. Am Ende konnten wir auch mithilfe von vielen befreundeten Behandlerinnen insbesondere aus dem Psykrates-Netzwerk eine entsprechend große Stichprobe auf die Beine stellen, um eine Normierung an einer deutschen Stichprobe durchführen zu können. Die Ergebnisse finden sich auf dieser Seite.

Ich werde immer wieder gefragt, ob der Test veröffentlicht wurde.
Ääähm – ja – genau auf dieser Seite.
Nicht aber in einer wissenschaftlichen Publikation, Fachzeitschrift, Festschrift, Monographie etc. pp. Das liegt vor allem daran, dass ich als Praktiker wenig Anschluss an Universitäten habe. Das Projekt lief ja unter „Spaß an der Freude“. Wer den Test also gerne nutzen oder zitieren möchte, darf gerne auf diese Website verweisen. Darüber würde ich mich dann auch wirklich freuen.

Gütekriterien und Validität

Stichprobe:
Die Stichprobe wurde online erhoben. Hierzu wurden gezielt Patienten aus der eigenen Praxis angeschrieben. Zudem wurde
die Erhebung über weitere Praxen weiter verteilt und über Social Media in entsprechenden Neurodiversitätschannels benannt. Bei der Datenerhebung wurde das Vorliegen einer fachärztlich bestätigten Autismus- und/oder ADHS-Diagnose abgefragt. Zudem wurden Hinweise auf Autismus mittels des AQ50 sowie Hinweise auf das Vorliegen von ADHS mit dem ASRS-Screener erhoben.
Die Grenzwerte für die nicht autistische Stichprobe wurden unter Einbezug derjenigen ProbandInnen errechnet, die im AQ 50
keine Hinweise auf Autismus gezeigt haben.
Der Grund hierfür war, dass in der Originalstichprobe auch diejenigen, die keine gesicherte Autismusdiagnose hatten, überzufällig häufig hoch signifikante Ergebnisse im AQ 50 erzielten. Dieser Effekt ist vermutlich der Stichprobe und der Art der
ProbandInnengewinnung über Fachpraxen und Neurodiversitätschannels zuzuschreiben.

Die Gesamtstichprobe hatte eine Größe von N=1308.

Autistische Stichprobe
– weiblich (N=205). Durchschnittsalter 37,30 Jahre
– männlich (N=51). Durchschnittsalter 38,20 Jahre
– nicht binär (N= 27). Durchschnittsalter 36,60 Jahre
Nicht-autistische Stichprobe
– Weiblich (N = 755). Durchschnittsalter 37,40 Jahre
– männlich (N = 187). Durchschnittsalter 39,50 Jahre
– nicht binär (N = 83). Durchschnittsalter 33,60 Jahre

Interne Konsistenz: Sehr hoch für die Gesamtskala (Cronbach’s α = 0,93), sowie für die Subskalen:

  • Kompensation (α = 0,90)
  • Maskierung (α = 0,83)
  • Assimilation (α = 0,88)

Modellqualität:
Replikation der Modellqualität an der deutschen Stichprobe
Ein unveröffentlichtes Forschungsprojekt von Koch (2025) mit diesen Daten zeigt innerhalb der konfirmatorischen Faktorenanalyse eine akzeptable, aber nicht optimale Modellpassung (CFI = 0.89, RMSEA = 0.077, SRMR = 0.062).
Während der SRMR-Wert im akzeptablen Bereich liegt, bleiben CFI und RMSEA außerhalb der empfohlenen Grenzwerte für
eine gute Passung.
Die dreifaktorielle Struktur des CAT-Q wird damit tendenziell unterstützt, weist jedoch in dieser deutschen Übersetzung
Abweichungen zur ursprünglichen Modellgüte auf. Die interne Konsistenz der deutschen Version des CAT-Q erwies sich in
diesen Analysen als gut bis exzellent. Sowohl die Gesamtskala (ω = 0.939) als auch die Subskalen Kompensation (ω = 0.908),
Maskierung (ω = 0.833) und Assimilation (ω = 0.883) zeigten ausreichend hohe Werte.